Pull-Prinzip


Pull-Prinzip

 
Selbst das beste System weist Zeiten mit Stillstand auf, wenn keine Pull-Prinzip-Anforderungen der Verbrauchsgüter implementiert ist. Der Baustellenalltag in Deutschland ist zum großen Teil nach dem Push-Prinzip (engl., Bring-Prinzip) organisiert. Beim Pull-Prinzip (engl., Hol-Prinzip) wird der Materialfluss von zwei auf-einanderfolgenden Arbeitsprozessen vom nachgelagerten Prozess gesteuert. Sobald der Eingangspuffer aufgebraucht ist, wird mittels einer Kanban-Steuerung die Materialbestellung veranlasst. Wie beim VSM für Betonstahllieferungen aufgezeigt wurde, kann das Kanban-Signal je nach benötigtem Produkt einige Stunden bis einige Tage betragen. Durch das Pull-Prinzip werden Zwischenlager auf der Bau-stelle minimiert. Das japanische Konzept „Heijunka“ intendiert eine Harmonisierung des Produktionsflusses durch eine mengenmäßig gesteuerte Produktion. Um Liege- und Transportzeiten zu vermeiden, werden kleinere Produktionseinheiten komplett hergestellt. Die Kanban-Philosophie besagt: „Nimm eins, mach eins.“ Hinter diesem Ausspruch steckt der Gedanke des One-Piece-Flow oder Single-Piece-Flow. Ihr Teil wird in einem kontinuierlichen Produktionsfluss weiterverarbeitet, bis es fertiggestellt ist. Das Kanban-System wird auch „Supermarktsystem“ genannt. Die Idee zu Kanban entspringt Ohnos Beobachtungen bei einem Besuch eines amerikanischen Super-marktes im Jahr 1953. Quintessenz des Systems: „Produziere heute das, was gestern verbraucht wurde.“